Was ich immer schon loswerden wollte ...
Karikaturisten stehen in dem Ruf, einen zumindest zwielichtigen
Charakter zu haben, da ihnen nach allgemeiner Auffassung die Nöte
und Sorgen, die kleinen und die großen Schwächen ihrer
Mitmenschen das Material für ihr Tun liefern. Und an eben
diesem Tun scheiden sich die Geister ähnlich wie beim
Knoblauch die einen mögen´s, die anderen nicht.
Karikaturisten sind so schlecht oder gut wie jedes andere Individuum,
das Gott in seiner Güte und Weisheit werden ließ, kurzum,
sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer menschlichen Qualitäten
in nichts vom gesamten Rest der Weltbevölkerung. Aber sie
haben gewisse Begabungen. Sie können zum einen zeichnen und
verfügen darüber hinaus über ein feines Gespür
für das Komische, das Witzige, die besondere Pointe. Zugegeben,
diese Gaben sind nicht allen Karikaturisten in gleichem Maße
zuteil. Da gibt es hervorragende Zeichner, denen es an Witz fehlt
und wiederum sehr humorvolle, die aber Probleme mit der bildlichen
Umsetzung haben. Und selbst jene die in hohem Maße beide
Talente miteinander zu verbinden wissen, haben auch mal schlechte
Tage.
Wie bei so vielen anderen Dingen auch, ist die entscheidende
Frage aber nicht die, ob einer Talent hat, sondern vielmehr die,
wie er es einsetzt. Es liegt in der Natur der Sache, daß
eine Karikatur überhöht, verzerrt, auf die Spitze treibt
und mithin wird es auch immer Menschen geben, die sich angegriffen,
beleidigt fühlen, sei es nun weil sie sich selbst als Gegenstand
des Spottes zu erkennen meinen, oder weil sie sich berufen fühlen,
vermeintlich Verspotteten zu ihrem Recht verhelfen zu müssen.
Ein guter Karikaturist ist sarkastisch und bissig, aber Ziel
seiner Ironie ist nicht, menschliche Schwäche und Befindlichkeit
der Lächerlichkeit preiszugeben, sondern vielmehr, zu deren
Besserung beizutragen.
Das sollte wenigstens als Vorsatz bei allen "karikativen"
Arbeiten erkennbar sein. Zwar ist das keine Garantie für
gute Karikaturen, aber die beste Voraussetzung dafür ist
es allemal.

